Gewittersitzung
Gewitter: unbändige Naturgewalt, Sturm kommt auf, Blitz und Donner folgen. Es ist laut und manchmal äußerst ungemütlich. Regen prasselt hernieder – Ungewissheit, wie das endet. Doch dann, die Ruhe danach, die Erde ist frisch, die Luft ist klar, die Wolken verziehen sich. Nie lässt sich so tief durchatmen wie nach einem Gewitter.
Nicht ohne Grund haben wir unsere wöchentliche gemeinsame Sitzung „Gewittersitzung“ genannt.
Jeden Mittwoch um 19.30 treffen wir uns. Es ist die einzige regelmäßige Pflichtveranstaltung überhaupt, der Anrufbeantworter wird eingeschaltet, jede Störung vermieden.
Hier kann Dampf abgelassen, Konflikte können besprochen werden. Es können Befindlichkeitsrunden stattfinden, oder jeder darf sagen, was er an anderen gut oder schlecht findet. Die Woche wird rückblickend betrachtet, was hat mir gut, was hat mir überhaupt nicht gefallen?
Auch wir Betreuer nutzen die Sitzung, um schwelende Konflikte anzusprechen und mitzuteilen, was uns positiv und negativ beschäftigt hat.
Wenn ein Jugendlicher neu in die Gruppe kommt, erzählt er, warum er in der Einrichtung ist. Im Jahresrückblick wird Bilanz gezogen: Erfolge, die man erreicht hat, werden ebenso angesprochen wie Schwierigkeiten.
Selbstverständlich haben auch schöne Sachen einen festen Platz in der Runde. Das Zuhören und das Bei-Sich-Bleiben wird geübt. Es ist immer nur einer an der Reihe, und im Laufe der Zeit wächst die gegenseitige Akzeptanz, dass Unterbrechungen seltener werden. In jedem Fall aber ist die Stimmung anschließend ganz wie nach einem richtigen Gewitter.
